Auf dem Weg zu einer neuen Finanzordnung
Der Finanzplatz Frankfurt wirft einen Blick in die Zukunft der Finanzbranche – im Jahrbuch 2010 von Frankfurt Main Finance. Auf 76 Seiten skizzieren prominente Autoren wie Bundesbank-Präsident Axel Weber, Hessens Ministerpräsident Roland Koch oder Finanzprofessor Jan Pieter Krahnen die künftige Architektur des globalen Finanzsystems. „In Arbeit“ lautet dementsprechend der Titel des Frankfurt Main Finance Jahrbuchs 2010.

Das Spannungsfeld von Regulierung und wirtschaftlicher Selbstverantwortung prägt die gegenwärtige Diskussion um die Zukunft der Finanzindustrie. Das Hauptanliegen des Jahrbuchs ist es daher, die Debatte um neue und unkonventionelle Perspektiven anzureichern und damit ein Stück voran zu bringen. Dazu bezieht das Jahrbuch die Sichtweisen verschiedener Gesellschaftsbereiche mit ein. Prominentes Beispiel ist ein Streitgespräch mit Heribert Bruchhagen, dem Vorstandsvorsitzenden von Eintracht Frankfurt, über Managergehälter und Fußballer-Gagen.
Ausgewogene Balance zwischen Regulierung und Eigenverantwortung
Für eine ausgewogene Balance zwischen politischer Regulierung und Eigenverantwortung der Finanzwirtschaft plädiert Roland Koch, Ministerpräsident des Landes Hessen. Es gehe darum, die Legitimität der marktwirtschaftlichen Wirtschaftsordnung sicherzustellen. Regulierung könne hier Vertrauen schaffen, müsse aber durch verantwortungsvolles Handeln der Finanzbranche ergänzt werden. Besonders der Finanzplatz Frankfurt könne einen maßgeblichen Beitrag zu der Diskussion leisten.
Um die Notwendigkeit einer systemischen Dimension in der Finanzaufsicht geht es Axel Weber, Präsident der Deutschen Bundesbank. Hierbei komme insbesondere dem in Frankfurt angesiedelten European Systemic Risk Board (ESRB) eine wichtige Rolle zu. Zudem betont er erneut die Bereitschaft der Bundesbank zur vollen Übernahme der Bankenaufsicht.
Risikolandkarte zur Krisenprävention
Prof. Dr. Jan Pieter Krahnen, Direktor des Center for Financial Studies (CFS), und Prof. Dr. Helmut Siekmann, Direktor des Institute for Monetary and Financial Stability, entwerfen in ihrem Beitrag verschiedene Handlungsalternativen zur Krisenprävention und –intervention. Zur Prävention systemischer Krisen schlagen sie beispielsweise die Einführung einer Risikolandkarte sowie einer Systemic Risk Charge vor.
Eine gemeinsame Vision für den Finanzplatz Europa entwickeln Arnaud de Bresson, Chief Executive Officer von Paris Europlace, Lutz Raettig, und André Villeneuve, Vorsitzender der City of London International Regulatory Strategy Group. So sei – bei allem Wettbewerb – etwa die Zusammenarbeit in Bildung und Forschung oder bei der Vermarktung gemeinsamer Stärken denkbar.



