Finanzbranche diskutiert Spielregeln von Social Media

Um die Spielregeln der Finanzindustrie im Zeitalter von Facebook, YouTube, Twitter & Co. zu erörtern, ist das Finance Future Forum als Treffpunkt für Voraus- und Querdenker der Finanzbranche etabliert worden. Den Auftakt bildete am 31. Januar eine Veranstaltung in der IHK Frankfurt am Main zum Themenfokus Social Media Finance.
Dr. Thomas Schäfer, Hessischer Staatsminister der Finanzen, betonte in seinem Impulsreferat, die Resonanz des neuen Veranstaltungsformats zeige, dass am Finanzplatz Frankfurt ein hoher Bedarf besteht, das Thema soziale Netzwerke zu diskutieren. „Banken stehen fortan unter der fokussierten Beobachtung der Öffentlichkeit", sagte Dr. Schäfer vor 200 Teilnehmern des Finance Future Forums am Montag in der IHK Frankfurt am Main. Er rief Finanzinstitute auf, sich intensiv mit dem Thema Monitoring zu beschäftigen und zu überlegen, wie soziale Medien zur positiven Imagebildung genutzt werden können. „Die neuen Instrumente müssen genutzt werden, um verloren gegangenes Vertrauen zurückzugewinnen und neues Vertrauen zu erlangen", betonte Dr. Schäfer.
„Es gilt, das Netz als Chance zu begreifen und Vertrauen neu zu gewinnen", unterstrich Dr. Lutz Raettig, Aufsichtsratsvorsitzender, Morgan Stanley Bank AG, Vizepräsident der IHK Frankfurt am Main und Sprecher des Präsidiums von Frankfurt Main Finance. Er verwies auf das am Finanzplatz Frankfurt gebündelte Know-how und die erstklassigen Infrastrukturbedienungen. „Mit der hervorragenden Internetanbindung und der neuen Frankfurt Cloud verfügen wir über ein riesiges Backup. Dieser Standortvorteil muss genutzt werden", sagte Dr. Raettig.
"Social Media ist in aller Munde und das Interesse am Social Web hat enorme Zuwachsraten. Zunehmend nutzen auch Unternehmen der Finanzindustrie diese Erkenntnisse und wagen neue Kommunikationswege abseits der traditionellen Strukturen", sagte Dr. Andrea Marliere, Geschäftsführerin, NetCo Consulting GmbH. Sie betonte, die Branche müsse rechtzeitig auf die gesellschaftlichen Veränderungen im Kommunikationsverhalten und damit auf ihre Kunden reagieren.
Längst haben die sozialen Netzwerke in den Alltag der Bankkunden Einzug gehalten. Besonders jüngere Kunden nutzen die technologischen Plattformen der sozialen Netzwerke. Banken befinden sich dabei in einem Spannungsverhältnis: Informationen über Finanzprodukte werden in Communities ausgetauscht, auf die der Bankberater keinen unmittelbaren Einfluss mehr hat. Gleichzeitig lockt der Reiz des potenziellen neuen Vertriebswegs.
In der Pilotveranstaltung standen daher die Auswirkungen der technischen Neuerungen auf die Beziehungen zwischen Bank und Kunden im Vordergrund. Weiterhin wurden Aspekte von Social Media Monitoring sowie die organisatorische Verankerung und Steuerung des Web 2.0 in Banken erörtert.
Die nächste Veranstaltung des Finance Future Forum findet am 21. März 2011 zum Thema Mobile Finance statt.
Finanzplatz-Akteure gründen "Working Group Social Media Finance"
Ein weiteres Ergebnis der Auftaktveranstaltung: Um in Zukunft intensiver über neue Formen der Kundengewinnung und -bindung im Netz beraten zu können, kündigte Dr. Andrea Marlière, Geschäftsführerin, NetCo Consulting GmbH, und Initiatorin der Veranstaltung Finance Future Forum, die Gründung einer „Working Group Social Media Finance" am Finanzplatz Frankfurt an. Ziel dieser Gruppe ist die intensive Beschäftigung mit den Auswirkungen der technischen Neuerungen auf die Beziehungen zwischen Bank und Kunden. Dr. Thomas Schäfer, Hessischer Staatsminister der Finanzen, begrüßte auf der Konferenz Social Media Finance in der IHK Frankfurt am Main die Initiative ausdrücklich. Er lobte die Innovationskraft des Finanzplatzes Frankfurt und rief zu mehr Vernetzung auf.
Für Ben Tellings, Vorsitzender des Aufsichtsrates, ING-DiBa AG, ist Social Media „a new way of thinking". Mehr Transparenz und massiver Einfluss auf die Meinungsbildung der Kunden führe dazu, dass ein Umdenken in der Kommunikation der Finanzinstitute stattfinden müsse.
Dr. Theodor Weimer, Sprecher des Vorstandes, UniCredit Bank AG Hypovereinsbank, sieht in den sozialen Medien langfristig eine Bereicherung der Kommunikationsmöglichkeiten. Im Rahmen einer Podiumsdiskussion betonte er, es handle sich um eine neue Form der Leistungs- und Qualitätskontrolle. Das Reputationsrisiko steige deutlich an, da sich die Markttransparenz erhöht. Reputationspflege rücke demnach stärker in den Mittelpunkt.
Hermann-Josef Lamberti, Mitglied des Vorstandes, Deutsche Bank AG, erwartet eine Verschiebung der Machtposition von den Banken zu den Kunden. Chancen für Finanzdienstleister bestehen für ihn vor allem darin, die Kunden mit ausführlicheren Informationen an sich zu binden. Kanäle wie Twitter könnten helfen, Informationen über das Unternehmen schnell zu verbreiten. Weiterhin unterstrich Lamberti die Bedeutung von Social Media für die Rekrutierung von Nachwuchskräften.





