So machen Sie Headhunter auf sich aufmerksam
Viele Menschen beobachten mit neidvoller Bewunderung, wenn Freunde oder Kollegen damit prahlen, dass sie von einem Headhunter angesprochen wurden. Wie haben die das geschafft? Wenn Sie noch nie von einem Headhunter angesprochen wurden, ist das kein Grund, Minderwertigkeitskomplexe zu bekommen. Zum einen hat es viel mit Zufall zu tun, warum sich ein Personalberater eine bestimmte Person ausgeguckt und angesprochen hat und andere nicht. Zum anderen können Sie durchaus selbst ein wenig nachhelfen, um sich auf den Radarschirm eines Headhunters zu bringen. Man kann zwar geduldig warten, bis ein Personalberater von sich aus auf einen aufmerksam wird. Man muss es aber nicht.
Karriereberater empfehlen, dass man spätestens mit Anfang Vierzig Kontakt zu zwei bis drei Personalberatern in unterschiedlichen Gesellschaften aufgebaut haben sollte, um seinen Karriereweg zu forcieren. Nicht selten begleitet ein Personalberater die komplette Laufbahn eines Menschen, von der Position im mittleren Management im Alter von Mitte Dreißig bis hin zur Spitzenposition mit Mitte Fünfzig.
Es gibt zwei Wege, in Kontakt mit einem Personalberater zu kommen, die im Folgenden ausführlicher beschrieben werden. Der erste ist der direkte Weg. Personalberater sind längst daran gewöhnt, dass sie nicht nur von den Personalverantwortlichen der Unternehmen angesprochen werden, sondern auch von Kandidaten selbst. Wenn sich 20 unaufgefordert eingereichte Lebensläufe am Tag im Posteingang sammeln, ist dies für sie nicht ungewöhnlich.
Schätzungen zufolge geht rund ein Drittel der Kandidaten in den Datenbanken der Personalberater auf Initiativbewerbungen zurück.
Verwerflich ist eine Initiativbewerbung nicht. Nur bei absoluten Top- Positionen und darauf spezialisierten Gesellschaften gilt es als anrüchig, sich selbst ins Spiel zu bringen. Von solchen Headhuntern abgesehen kommt es eher selten vor, dass die eingereichten Bewerbungsunterlagen ungelesen in den Papierkorb wandern.
Wer nicht so sehr in die Offensive gehen will, wählt den zweiten Weg und versucht, indirekt auf sich aufmerksam zu machen. Indem er sich in seiner Branche einen Namen macht, öffentlich in Erscheinung tritt, zum Beispiel auf Kongressen. Auf diese Weise wecken Sie im Übrigen nicht nur das Interesse von Personalberatern, sondern machen auch Verantwortliche aus anderen Unternehmen Ihrer Branche auf sich aufmerksam. Und auch die Wertschätzung bei Ihren Vorgesetzten steigt. Ein wenig Eigenmarketing schadet nicht, solange Sie es nicht übertreiben.
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Welche anderen Wege gibt es?
Auch zurückhaltendere Naturen, denen eine Bewerbung zu offensiv erscheint, haben die Möglichkeit, sich auf den Radarschirm eines Personalberaters zu bringen: Betreiben Sie ein wenig Marketing in eigener Sache. Keine Angst, Sie müssen deshalb nicht zum Marktschreier werden. Eigenmarketing lässt sich auch leise und sachlich betreiben. Ziel ist es, sich in der eigenen Branche einen guten Ruf zu erarbeiten, sich von der Masse der Kollegen abzuheben. Machen Sie sich sichtbar. Dazu gibt es verschiedene Möglichkeiten.
Ein beliebtes und inzwischen weit verbreitetes Mittel ist es, ein Profil in einer der Business Communities im Internet einzustellen, wo sich aus den Augen verlorene Freunde und Bekannte wiederfinden und neue Kontakte knüpfen lassen. In Deutschland erfreut sich dabei vor allem das Netzwerk Xing großer Beliebtheit. Dort können Nutzer kostenlos ein Profil von sich anlegen, mit Ausbildung, beruflichem Werdegang, aktueller Tätigkeit und Foto. Gleiches gilt für das internationale Netzwerk Linked-In.
Personalberater geben offen zu, dass ihnen Netzwerke wie Xing und Linked-In die Arbeit erheblich erleichtern und sie diese Internetseiten gerne zu Recherchezwecken nutzen. Wichtig ist: Solche Netzwerke sollten Sie frühzeitig pflegen. Also nicht erst dann, wenn Sie dringend nach einer neuen Stelle fahnden. Wer einen früheren Studienpartner kontaktiert, der inzwischen Abteilungsleiter in einer Bank ist, und gleich als Erstes fragt, ob dieser nicht einen Job für ihn hat, kann Glück haben und eine freundliche Antwort, gar einen Hinweis, bekommen. Sie dürfen sich aber auch nicht wundern, wenn gar keine oder nur eine reservierte Reaktion kommt. Niemand in einem Netzwerk hat gerne das Gefühl, ausgenutzt zu werden.
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Blogs oder Twitter-Einträge rund um ihre berufliche Tätigkeit können ein gutes Mittel zum Eigenmarketing sein, wenn die Beiträge seriös geschrieben sind und Sie keine Belanglosigkeiten notieren. Lieber weniger, aber dafür fundierte Nachrichten anstelle eines hastig vom Handy getwitterten „Mal wieder eine Stunde Verspätung. Typisch Deutsche Bahn“. Einen Personalberater beeindrucken Sie damit zumindest nicht. Familien- oder Partyfotos haben im Internet grundsätzlich nichts verloren. Also Vorsicht mit sozialen Netzwerken wie MeinVZ, Wer kennt wen oder Facebook.
Womit Sie ebenfalls Eindruck machen können, sind Beiträge in Fachzeitschriften. Für Personalberater, die sich auf eine bestimmte Branche spezialisiert haben, gehört die Lektüre der einschlägigen Fachzeitschriften zum festen Bestandteil ihres Arbeitsalltags. Kommen in der Fachzeitschrift, die Sie regelmäßig lesen, Fachleute aus Unternehmen zu Wort? Zum Beispiel als Autoren von Gastbeiträgen? Wenn ja: Überlegen Sie sich ein Thema und eine These, die die Redaktion neugierig machen könnte. Anschließend werfen Sie einen Blick ins Impressum und fragen Sie telefonisch oder per E-Mail nach, ob Interesse besteht. Was für Fachzeitschriften gilt, trifft in abgewandelter Form auch für Fachbücher zu, wobei der Arbeitsaufwand in diesem Fall ungleich größer ist – das Renommee allerdings auch. Zwar schaffen es die fachspezifischen Titel in der Regel nicht auf die Bestsellerlisten von „Spiegel“ & Co. Um sich einen Namen im eigenen Unternehmen und in der Branche zu machen, eignen sie sich aber allemal.
Nichts beeindruckt Personalberater allerdings mehr, als wenn ein angesehener Geschäftspartner einen möglichen Kandidaten ins Gespräch bringt, weil er ihn für einen klugen Kopf hält.
Der beste Weg, um das Interesse eines Personalberaters zu wecken, ist eine persönliche Referenz.
Headhunter rufen regelmäßig „Sourcen“ an: Quellen, die nicht für die Besetzung einer offenen Position in Frage kommen, die aber geeignete Namen nennen können, weil sie einen guten Marktüberblick haben. Das sind zum Beispiel Menschen, die der Berater früher schon einmal erfolgreich auf eine Stelle vermittelt hat und die er im Rahmen einer laufenden Besetzung fragt: „Sie kennen die Branche doch ziemlich gut, fällt Ihnen nicht zufällig jemand ein, der …“. Das Zusammenspiel von Headhuntern und Kandidaten ist ein ständiges Geben und Nehmen. Wenn Sie Glück haben und der Zufall es will, fällt in solch einem Gespräch auch einmal Ihr Name. Steuern oder gar erzwingen können Sie es nicht. Das einzige, was Sie dafür tun können: Machen Sie Ihren Job so gut, dass es anderen auffällt.
Von Julia Löhr
(Auszug aus dem Buch "Die geheimen Fragen der Personalberater" erschienen bei Frankfurter Allgemeine Buch - Abdruck mit freundlicher Genehmigung des Verlags)
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